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Alt 27.08.2013, 02:15   #1
Lizard
 
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Standard Münzen reinigen – Wie man es richtig macht !!!

Nachdem sich hier beim Lesen vieler Ratschläge zum Thema "Münzreinigung" meine Fußnägel aufgeräufelt haben, ist hier mein "Guter Rat". Ich habe viele Jahre Münzen gesammelt...

1. Sieh der Realität ins Auge. Aus vielen Bodenfunden wird nie eine sammelwürdige Münze...

2. Überleg Dir gut, ob der ganze Reinigungsaufwand lohnt. Viele Münzen haben einen Wert von höchstens 1 Euro...

3. Bei wertvolleren Stücken: Höre NIEMALS auf die Münzvergewaltigungstips mit speziellen Münzbädern, Bürsten, Glasfaserpinseln, Sandstrahlern, Polituren, Laugen, Säuren, Salzen, WC-Reiniger, Rohrreiniger, Kukident-Tabletten, Zahnpasta, Kochrezepten und was sonst noch alles. SEUFZ*
Wer so etwas macht, bringt auch kleine Kinder um...

Was gehört in die Reinigungsapotheke?

1x Kernseife neutral
1x Ascorbinsäure (Pulver)
1x Kaiser-Natron (Pulver)
1 Flasche Paraffinöl

eventuell 1 Flasche Olivenöl
eventuell Zahnstocher aus Holz

Ein echter Münzsammler reinigt Münzen in der Regel nur mit neutraler Kernseife und den nackten Fingern unter dem Wasserhahn. Nichts weiter! Jede sonstige Verschlimmbesserung bemerken andere Sammler sofort. Sei es, weil sie die Schleif- oder Ätzspuren unter der Lupe bemerken, oder weil die Münzen später nach den Bädern doch wieder fies anlaufen. Und dann aber leider streifig und nicht mehr gleichmäßig. Oder in fies schillernden Farben...

Auf keinem Fall moderne Flüssigseifen verwenden (Ausnahme erklär ich später noch), da diese Tenside enthalten, die die gesamte Patina entfernen. Und ein blitzblanker US-Cent von 1840 sieht nicht nur Stuhl aus, man muß auch viele Jahre warten, bis er wieder eine vernünftige dicke Patina hat, die von anderen Sammlern akzeptiert wird. DAS GEHT NICHT KÜNSTLICH.
Es muß also die gute alte Kernseife von Oma sein. Am besten zuerst mit einem dunklen Euro-Cent-Stück probieren. Er darf nicht blank werden.

Nun die Ausnahmen:
Kupfer-, Messing- und Silbermünzen, die keine Patina haben sollen (moderne Münzen ab 1900, oder 1960 – je nach Auffassung):
Hier kann man entweder die normale tensidhaltige Flüssigseife nehmen, oder die Münzen ausnahmsweise in einer leichten organischen Säure einweichen. Zitronen- und Oxalsäure sind zu agressiv. Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit Ascorbinsäure (Vitamin C, gibt's im Rossmann) gemacht. 1 zu 10 in warmen Wasser. Metalle strikt trennen! Niemals verschiedene Metalle in ein Bad werfen! Ständig wenden und kontrollieren! Danach lange unter fließendem klaren Wasser spülen.

So, nun kommt der (oft falsch erklärte) Trick mit dem Kaiser-Natron.
Um herauszuzögern, das die Münzen später an saurer und schwefelhaltiger Luft wieder anlaufen, kann man:
1. Die Münze alkalisch abpuffern. Dazu die Münze großzügig mit Natron bestreuen, ein wenig Wasser dazu, und mit den nackten Fingern LEICHT reiben. Ein Teil der Oxide löst sich auch hierbei. Das Natron nicht als Schleifmittel einsetzen! Man kann die Münze ruhig in der Pampe eine Weile liegen lassen, bis die alkalische Flüssigkeit in die Münze eingezogen ist. Abspülen. Mit einem Tempo-Taschentuch abtupfen. Fertig.

2. Die Münze versiegeln. Dazu die Münze in Paraffinöl tauchen. Mit einem Tempo-Taschentuch abtupfen. Fertig.
(Es gibt da noch Kochrezepte und Unterdruck-Kammern die das ÖL bis in die letzte Pore pressen, aber das halte ich für übertrieben...)


Zink, Alu: Wenn wir hier irgendwelche Krusten zu entfernen haben, bedeutet das fast immer: LOCHFRASS. Und das bedeutet fast immer: Wir können die Münzen eigentlich gleich wegwerfen. (Übertreiben veranschaulicht!)


Antike Münzen mit dicken Krusten: Ein eigenes Thema.
Das sollte eigentlich ein Restaurator mit speziellen Werkzeugen machen.

Semi-professionelle Hausmittel:
1. Ultraschall-Bad. Fragt mal in Eurem örtlichen Piercing-Studio (die haben das zur Reinigung der Werkzeuge) oder Eurer örtlichen Motorrad-Werkstatt (die haben das zur Düsenreinigung).
2. Einweichen in Olivenöl. Die Säuren im Olivenöl lösen die Verkrustungen in ein paar Monaten. Dauert lange, ist aber sanft. Öl eventuell von Zeit zu Zeit wechseln. Anschließend mit Zahnstochern vom Dreck befreien. Nur Zahnstocher aus Holz! Niemals mit Metall "stochern"! Danach braucht Ihr viel von Omas Kernseife.
Ein Tip für die Schwaben: Vorsicht! Das Öl ist anschließend giftig...


WENIGER IST MEHR!
DIE ARMEN MÜNZEN WERDEN ES EUCH DANKEN!

.

Geändert von Lizard (27.08.2013 um 07:51 Uhr)
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Alt 27.08.2013, 09:06   #2
Amazukaze
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Ich habe so ein Bronzerelief mit ziemlich hartnäckigen Anhaftungen, klappt das da auch mit der Kernseife?
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Gruss Ama

Man kann einen Mann aus der Armee nehmen. Niemals aber die Armee aus dem Manne.
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Alt 27.08.2013, 09:22   #3
Lizard
 
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Die Tips sind für Münzen. Nicht für Wandreliefs und Tiger-Panzer
Stell mal Fotos ein. Sind das Oxidschichten oder Kalk? Wie alt?
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Alt 27.08.2013, 09:31   #4
Amazukaze
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Etwa 20er Jahre, ich denke, das es Erdanhaftungen sind.
Angehängte Grafiken
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Gruss Ama

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Alt 27.08.2013, 09:34   #5
Spolei
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Hallo Lizard,
deine Anleitung habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen.
Vielen Dank für die guten Tips.
Münzen sind zwar nicht direkt mein Hobby, aber militärische Medaillien sind ja auch von der gleichen Machart.

Gruß Andreas
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und zur Sturmgeschützabteilung 226
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Alt 27.08.2013, 09:43   #6
Germanicus
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Danke für fie Tips.
Ich kopiere mir das mal alles.

Der beste Spruch: Achtung liebe Schwaben
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Alt 27.08.2013, 10:06   #7
Lizard
 
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Okay, also das ist jetzt nicht irgend so ein Billigteil.
Wenn Du hier die Patina mit den schönen Abdunklungen entfernst, ist das Teil versaut.
Jede künstliche Patina ist relativ schnell zu entlarven. Oder sieht im Gegensatz zu dieser hier schwarz aus.
Das wird mit Schwefelleber gemacht und sieht zum aus...

Damit scheiden alle reinen Säuren und Tensid-Seife aus!!!

Ich sag Dir was ich machen würde, wenn das mein Teil wäre:

1. Den Verkaufspreis für ein unverkrustetes Teil ermitteln und überlegen,
ob ich nicht lieber einem Restaurator damit beauftrage.
Wenn die Kosten dafür in keinem Verhältnis zum Wert des Reliefs stehen,
würde ich
2. Einen Kanister billiges unverpanschtes Olivenöl kaufen.
Die Platte in eine Schale oder Wanne legen und mit Öl ersäufen.
Das Öl wird sich mit der Zeit grünlich braun verfärben.
Alle 4 Wochen anheben und überprüfen, wieviel der Schichten sich mit einem
Holz-Zahnstocher oder einer Plaste-Bürste lösen lassen.
Kann Monate dauern, erhält aber die wirklich schöne Patina.

oder

3. Das Ding mit Ultraschall reinigen. In meiner Stadt gibt es einen Laden für Motor-Roller,
die haben so ein Ding zum Reinigen von verstopften Vergasern. Die Reinigung eines Koppelschlosses hat mich 2 Euro gekostet.
Wichtig: Wie die STASI aufpassen, welche Lösung sich in der Wanne befindet (Säure ja-nein).
Am besten zuerst mit einem wertlosen Stück ähnlichen Materials testen, dass sich die Patina nicht auflöst.
Durch den Ultraschall platzen die Kalkablagerungen einfach ab. Geht schnell, birgt aber immer ein gewisses Risiko.
Also auch hier ständig rausnehmen und kontrollieren.

Vorsicht Stahlhelm-Leute: Auch sämtliche Farbschichten fliegen weg...

Wäre ich Sondengänger, würde ich mir langfristig so ein Teil anschaffen.
Ein vernünftiges Gerät kostet aber bestimmt ab 500-1000 Euro aufwärts...
http://www.ultraschall-anlagen.de/ca...FUld3godOWkAdw

VIEL GLÜCK und
ICH ÜBERNEHME KEINE HAFTUNG!
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Alt 27.08.2013, 10:08   #8
Lizard
 
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Zitat:
Zitat von Spolei Beitrag anzeigen
aber militärische Medaillien sind ja auch von der gleichen Machart.
Medaillen schließen die Ultraschall-Methode aus!!!
Das Emaille und die Lackschichten fliegen bis zum Nordpol!!!



.

Geändert von Lizard (27.08.2013 um 10:09 Uhr)
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Alt 27.08.2013, 10:25   #9
Lizard
 
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Nachtrag:
Wer mit einem Zahnarzt befreundet ist, kann ihn ja mal bitten, diese neuartigen
Ultraschall-Zahnsteinentferner auszuprobieren. das geht bestimmt Klasse und man kann sich vorsichtig punktuell vorarbeiten.
Wenn das für Eure Funde taugt – die Dinger gibt's ab 250 Euro...

VIEL ERFOLG und
ICH ÜBERNEHME KEINE HAFTUNG!
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Alt 27.08.2013, 11:34   #10
Amazukaze
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Vielen Dank für die erstklassigen Tipps!
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Gruss Ama

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