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Alt 16.02.2016, 15:38   #1
ulan15
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Standard Pickelhauben restaurieren --> Workshop

Hallo,

ich möchte einmal meine Restaurierungsmethode von Pickelhauben vorstellen.

Hier anhand einer feldgrauen Garde-Pickelhaube.
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Alt 16.02.2016, 15:40   #2
ulan15
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1.Schritt:
Entfernen aller Anbauteile. Spitze und Emblem geht ja relativ einfach. Beim Emblem muß man nur aufpassen, daß die Lederkeile nicht reißen. Dazu empfiehlt es sich, diese vorher mit flüssigem Lederbalsam einzupinseln.
Wer möchte, kann den Spitzenteller auch abnehmen. Hierzu erwärme ich die Splinte um zu verhindern, daß die Laschen beim aufbiegen abbrechen. Bei Messingsplinten kann man das auch so machen. Meiner Erfahrung nach brechen diese aber leichter ab, vor allem, wenn es dickere Laschen sind. Also Vorsicht an dieser Stelle, wenn man keinen farblich passenden Ersatz hat. Dann am besten so lassen.
Die beiden Knopf 91 lasse ich grundsätzlich im Helm. Diese auszubauen ist ein erheblicher Aufwand, bei dem mit Sicherheit etwas zu Schaden kommt.
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Alt 16.02.2016, 15:41   #3
ulan15
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2. Schritt:
Einlegen der Eisenteile in Zitronensäure. Bei dieser schonenderen Methode wird der feldgraue Überzug nicht so sehr angegriffen wie mit Oxalsäure.
Diese lasse ich über Nacht einwirken. Trotzdem immer wieder mal nachsehen, ob alles in Ordnung ist.
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Alt 16.02.2016, 15:43   #4
ulan15
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3.Schritt:
Anschließend behandle ich die Pickelhaube mit Sattelseife. Diese öffnet die Poren des Leders und hat gleichzeitig eine reinigende Wirkung.
Dazu muß der Schwamm, nach dem eintauchen in lauwarmes Wasser, fest ausgedrückt werden. Es sollte kein Wasser mehr austreten. Ist der Schwamm zu naß, dann trocknet das Leder nach der Behandlung zu stark aus und es kann reißen.
Mit dem Schwamm nehme ich dann etwas Sattelseife auf und drücke den Schwamm solange, bis die Sattelseife schaumig austritt. Mit diesem Schaum bearbeite ich das Leder innen und außen in kreisenden Bewegungen.
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Alt 16.02.2016, 15:45   #5
ulan15
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4. Schritt:
Hier kommt das erste mal der Hutspanner zum Einsatz. Dieser ist ein uerläßliches Utensil zur Restauration von Pickelhauben. Er kann auch zum formen aus der Form geratener Schirmmützen hilfreich sein.
Bevor ich den Spanner einsetze prüfe ich, ob die beiden Knopf 91 parallel zueinander stehen oder die Haube in sich verwunden ist. D.h. wenn man die Haube hinstellt und sie steht schief, dann stehen Vorder- und Hinterschirm nicht gerade zueinander. Hier empfiehlt es sich zu zweit zu sein. Einer hält die Pickelhaube in der gewünschten Form und der andere dreht den Hutspanner auseinander.

Vorsicht: Nicht zu weit auseinander drehen sonst kann der Schellack reißen oder abplatzen. Wenn es zum knirschen anfängt unbedingt aufhören.

So lasse ich die Pickelhaube über Nacht stehen. Man kann immer wieder mal nachsehen und den Hutspanner vorsichtig weiter drehen. Ich mache das ein- bis zweimal und dann ist es gut.
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Alt 16.02.2016, 15:46   #6
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5. Schritt:
Jetzt reinige ich die Metallteile mit einer Messingbürste. Hier kommt es allerdings zu einem Farbverlust des feldgrauen Überzuges. Das ist aber normal, weil an den rostigen Stellen die Verzinkung nicht mehr hält. Die beiden Knopf 91 bearbeite ich auch mit der Messingbürste. Hier aber vorsichtig, damit man den Schellack der Haube nicht zerstört.
Anschließend werden die Beschläge mit warmem Wasser abgespült und getrocknet.
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Alt 16.02.2016, 15:50   #7
ulan15
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6. Schritt:
Am nächsten Tag kommt das Lederbalsam zum Einsatz. Hier habe ich mit Maroquin Lederbalsam die besten Erfahrungen gemacht, weil es in flüssiger Form ist und überall eindringt. Den Behälter vorher gut schütteln.
Dazu lege ich die Pickelhaube mit der Unterseite nach oben in eine Schüssel. Zwischen Haube und Schüssel lege ich ein Küchentuch oder ähnliches. Dieses saugt das überschüssige Lederbalsam auf.
Jetzt streiche ich die Habe innen mit dem Lederbalsam mittels eines Pinsels ein. Pickelhauben sind ja mehrteilig vernäht und diese Nähte werden im Laufe der Jahre sehr spröde. Deswegen sollten alle Zwischenräume besonders sorgfältig getränkt werden, mehrmals wenn nötig. Auch die beiden Schirme. Hier streiche ich sooft ein, bis das Lederbalsam von alleine durchläuft. Hinweis: Beim Nackenschirm läuft eher nichts durch.
Anschließend streiche ich die Haube innen und ein, auch das Innenfutter. Dieser Vorgang kann je nach Zustand des Leders mehrmals wiederholt werden.

Vorsicht: Das Innenfutter nur einmal einstreichen sonst wird es zu sehr durchtränkt und kann beim späteren spannen reißen.

Pickelhauben sind meistens oben eingesunken. Wenn sich die Pickelhaube an der Stelle, wo das große Lüftungsloch im Leder ist, drücken lässt ohne dass es knirscht, dann ist sie optimal getränkt. Hier bitte nicht zu fest drücken sonst geht der Schellack flöten.
Den Lederriemen des Innenfutters und die beiden Lederkeile lege ich zwischenzeitlich in das Lederbalsam.
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Alt 16.02.2016, 15:55   #8
ulan15
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7. Schritt:
Unmittelbar nach dem tränken mit Lederbalsam sollten die Beschlagteile angepasst werden. Probleme mit der Passgenauigkeit gibt es vor allem bei der Nacken- und Vorderschirmschiene. Hier ist schon etwas handwerkliches Geschick nötig. Meistens ist die Vorderschirmschiene gebrochen (wie bei meiner Haube). Man kann sie trotzdem in Form bringen, aber dann vorsichtig, damit sie nicht ganz auseinander bricht. Sollte das mal der Fall sein, dann befestigt man sie mit den beiden Splinten und quetscht sie dann mit einer Zange vorsichtig am Vorderschirm fest.
Wenn ein Abstand zwischen der Nackenschiene und der Haube ist, dann kann man versuchen, diese zu biegen. Ist aber ziemlich schwierig, weil sie sehr steif ist und meistens irgendwo aufbaucht. Ich lasse sie meistens in ihrer Form, weil durch das letzte spannen der Haube, dieser Spalt auch kleiner wird.
Grundsätzlich sollten alle Beschlagteile harmonisch an den Helmkorpus angepasst werden. Das kann mitunter eine Weile dauern und kann auch sehr Nervtötend sein. Also, immer gelassen bleiben.
Bevor die Beschläge befestigt werden, wische ich die Pickelhaube innen und außen mit einem fusselfreien Lappen oder Papiertuch gründlich ab. Lederbalsam hat den Nachteil, daß die überschüssige Flüssigkeit klebrig wird. Außerdem glänzt es eher unnatürlich an der Außenseite.
Wenn das erledigt ist, befestige ich die Metallteile wieder an der Haube. Die vier Splinte am Tellerbeschlag fixiere ich vorher mit Klebeband. Wäre doch schade, wenn einer davon herausfällt und sich dann ins Nirwana des Kellers verabschiedet.

Vorsicht: Beim Biegen der Splinte gilt das gleiche wie beim Zerlegen der Haube. Erwärmen der Laschen nicht vergessen. Hier muß man natürlich noch darauf achten, mit dem Schraubenzieher nicht abzurutschen. Das gibt mitunter hässliche Kratzer am Metall und wenn es blöd läuft auch Löcher im Leder.
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Alt 16.02.2016, 16:04   #9
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8.Schritt:
Mit dem Hutspanner wird die Pickelhaube in ihre letzte Form gebracht. So wie sie jetzt geformt wird, wird sie letztendlich auch bleiben.
Bei eingerollten Nackenschirmen (kommt oft vor, weil sie nicht durch eine Metallschiene stabilisiert werden) spanne ich diese mittels Metallschiene, in meinem Fall Alu (sollte aber nicht zu weich sein, sonst formt der Nackenschirm das Alu) und zwei Klammern. Bei einer starken Verformung muß man da stufenweise rangehen.
So wird die Pickelhaube ein bis zwei Tage belassen und an einem nicht zu warmen (Heizung) oder kalten (Keller) Platz aufgestellt.
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Alt 16.02.2016, 16:07   #10
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