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Alt 29.03.2017, 12:21   #1
muno11
 
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Standard Schicksal eines Fallschirm-Artilleristen

Hallo,

ich möchte heute einem 'einfachen' Soldaten Namen und Gesicht geben.

Der Mann kam aus meiner Heimatstadt und diente im gleichen Regiment (FAR 1) wie der Vater meiner Schwiegermutter: Alois Pietschmann wurde am 28.12.1919 in Peitz b. Cottbus geboren.

Als Freiwilliger kam er wohl Anfang/Mitte 1940 zur Fallschirm-Truppe. Über die ersten Jahre seines Dienstes ist mir wenig bekannt. Belegt ist dann aber, dass er als Angehöriger der 1. Battr. der I. Abteilung/ Fallschirm-Artillerie-Regiment 1 am 23.03.1943 an der Ostfront bei Kruteli (Smolensk) verwundet und anschließend bis Ende Mai in einem Lazarett auskuriert wurde.

Die Chronik des FAR 1 schreibt zu diesem Russland-Einsatz der I. Abteilung (die II. Abt. unter Hptm. Fenski war bekanntlich in Afrika, eine III. Abt. existierte damals noch nicht) ab Herbst 1942 u.a.: "Im Dezember beginnt die russische Winteroffensive. Trotz starker Kälte, bis -30 Grad, werden alle Angriffe auf Witebsk und Smolensk abgewehrt. Im Januar führen die Russen aus dem Rschew-Frontbogen von Welikije-Luki bis Wiasma, unterstützt von Panzerverbänden, Angriffe nach Südwesten gegen die Abwehrstellungen der Fliegerdivision 7. Schwerpunkt der verlustreichen Kämpfe ist der Raum Duchowschtima und Starina. In der zweiten Hälfte Februar gelingt den Russen, aus dem Raum Kursk angreifend, ein tiefer Einbruch in die Stellungen der 2. Panzer-Armee südlich von Orel. Aus dem Raum Smolensk wird das FJR 1 herausgelöst und in den bedrohten Abschnitt verlegt. Es gelingt, den russischen Angriff auf Orel zu stoppen und bis Ende März die Front zu festigen. Der Befehl zur Ablösung der Fliegerdivision 7 war bereits heraus, als die Russen überraschend am 20.03.43 angreifen. In schweren erbitterten Kämpfen gelingt es bis zum 23.3. die russischen Angriffe abzuwehren [...]. Anfang April verlegt die Abteilung nach Bagnoles in Frankreich. Mit dem 1. April 1943 wird die 7. Fliegerdivision in "1. Fallschirmjäger-Division" umbenannt."

Dies war der zweite Russland-Einsatz der Stammtruppe der deutschen Fallschirm-Artillerie. Noch mit Abteilungs-Status hatten die Männer im Okt./Nov. 1941 an der Newa-Front (1. und 3. Batterie) sowie im Dez. 1941 an der Südflanke der Ostfront (2. Batterie; diese war bis März 42 an der Stalino-Front, und bis Juni 42 am Wolchow) gekämpf.

Ob und inwiefern Alois Pietschmann schon Ende 1941 bei der Fallschirm-Artillerie war, ist mir nicht bekannt. Auch nicht, ob er zuvor mit der Abteilung auf Kreta dabei war.

Jedenfalls kam er nach dem dem Ausheilen seiner Verwundung Ende Mai 1943 wieder zu seiner alten 1. Batterie. Als Teil der I. Abteilung war sie im Sept. 1943 der 2. FJD unterstellt, die nach der Abwendung Italiens Rom eroberte und alleine 5 italienische Divisionen entwaffnete. Dabei unterstützte Pietschmanns 1. Batterie das III./FJR 3 beim Angriff auf den Sender ROMA II (auch Panzer-Gefechte). In der dritten Sept.-Woche 1943 wurde die 1. Battr. dann auf italienische Beutegeschütze umgerüstet (7,5cm, Wüstenzugmaschinen). Anschließend kam die Abteilung wieder zu ihrer eigentlichen Division nach Süditalien bei Campobasso. Auf dem Marsch hatte man manchen Verlust durch gegnerische Jabos. Anschließend stand die Abteilung gemeinsam mit den anderen Truppen der 1.FJD in schweren Abwehrkämpfen gegen die feindliche Übermacht. Bald darauf wurden die Artilleristen aus der Front herausgezogen und gemeinsam mit anderen Divisionstruppen der 1. FJD zum wochenlangen Stellungsbau in der Gustav-Linie eingesetzt. Am 12.12.1943 lag die 1. Battr. in der Sangro-Stellung (Pizzoferrato), hatte jedoch noch keine Winterkleidung erhalten. Bald darauf war man wochenlang durch eine Schneekatastrophe eingeschneit. Im Februar 1944 konnte man dann nach Fontana Liri verlegen (Cassino-Abschnitt), wo die Fallschirm-Artilleristen Stellung am Monte Cairo bezogen und von dort aus in den kommenden Wochen die Jäger-Regimenter der Cassino-Front unterstützten.

Siegfried Bohn, ein Kamerad Pietschmanns von der 1. Batterie, berichtete in der Chronik über die teils kuriosen Aufgabenstellungen im Cassino-Einsatz der Batterie:

"Die 1. Battr. liegt mit ihrer Feuerstellung auf dem "Balkon" unterhalb des Monte Cairo und oberhalb des Liri-Tal. Im Liri-Tal befinden sich die Feuerstellungen verschiedener Heeres-Artillerie-Einheiten. Zu diesen Feuerstellungen gehören auch verschiedene "Schein-Stellungen" [...]. Der Artillerie-Kommandeur des Abschnitts nahm Verbindung mit dem Kdr. des FAR 1 Oberst Schramm auf. Dieser befahl der 1. Batterie, Olt. Pappelbaum, ein Geschütz mit Bedienung für die Aufgabe als Wandergeschütz der Heeres-Artillerie zur Verfügung zu stellen. Ich erhielt den Auftrag, das Unternehmen durchzuführen. Mit zwei Kettenkrädern, einem angehängten LF 40/2 und Munition ging es hinunter ins Liri-Tal."

Beim Rückzug aus dem Cassino-Abschnitt gelang es den Fallschirm-Artilleristen mit viel Können und Glück, fast alle ihrer wertvollen Geschütze mitzunehmen. Es folgte der Rückzug durch Mittelitalien bis Oktober 1944 (in den Raum Ferrara), wobei insbesondere die 1. Batterie teils Nachhutgefechte (FJR 3) unterstützte. Für die Fallschirm-Artilleristen folgten die Kämpfe um die "Grüne Linie", die dem Apennin-Verlauf folgte. Ende Oktober 1944 erlahmten Überflutungen in der Po-Ebene die feindlichen Angriffsbemühungen. Die Division wurde daher in den Raum Castel St. Pietro/Silaro-Tal südl. Bologna verlegt. Dort wurde in der Folge besonders um den Monte Grande gekämpft. Im Zuge dieser Stellungskämpfe ist wohl auch Alois Pietschmann als Obergefreiter der 1. Batterie am 06.01.1945 in Castel S. Pietro gefallen ist. Seine Grablage befindet sich laut volksbund.de auf der Kriegsgräberstelle Futa-Pass (Block 18 Grab 351).

Der Museums-Verein Peitz listet ihn auch unter den Gefallenen Männern der Stadt: http://www.museumsverein-peitz.de/hi...llenew2w2.html

Wie es damals üblich war, ließen sich diese jungen Fallschirmjäger gerne und nicht ohne stolz fotografieren.

Foto 1: Auf Heimaturlaub mit seinen besten Freunden (Oktober 1940)
Fotos 2 und 3: Ebenfalls als "Jäger", diesmal aber in der Garnisonsstadt (Braunschweig). Womöglich auf der Fallschirmschule III?
Foto 4: Als Gefreiter, wiederum auf Heimaturlaub (1941)
Foto 5: Wiederum als Gefreiter auf Heimaturlaub. Inzwischen hatte er das EK 2 erhalten (März 1942)

ps: Fotos 2 und 3 sind im Besitz von Nutzer "Spreequelle"
Angehängte Grafiken
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Dateityp: jpg pietschmann2.jpg (66.5 KB, 28x aufgerufen)
Dateityp: jpg pietschmann.jpg (76.8 KB, 27x aufgerufen)
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muno11 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.03.2017, 20:22   #2
Wotan
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Beiträge: 5,477
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Besten Dank für den interessanten Bericht und für die Vorstellung der tollen Fotos!
Genial finde ich das gerade in Italien so beliebte Tuch unter der Fliegerbluse und auch die "Föhnwelle" ... der Gute war schon etwas eitel!

Falls es interessiert, ich meine ein Fallschirmschützenabzeichen von Berg & Nolte zu erkennen.

Gruß
Dirk
__________________
"Das Panzervernichtungsabzeichen sowie das Tieffliegervernichtungsabzeichen"



"Ärmelstreifen GD/FHQ/Brandenburg"

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Alt 30.03.2017, 06:46   #3
meskalin
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Danke für den Bericht!

Fotos aus der Familie sind bei Sammlerkollegen?
__________________
Gruss meskalin----

Ich Suche SS + Polizei EKm aller Verbände und Einheiten.

und
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- Lw Bau Kp 311 Strausberg
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Alt 30.03.2017, 07:43   #4
muno11
 
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Beiträge: 540
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Danke Euch beiden.

Ja, jede Zeit hat so ihre Moden.

@Meskalin: Bei mir und bei Nutzer "Spreequelle".
muno11 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.03.2017, 07:53   #5
meskalin
Moderator
 
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Solange das für dich i.O. ist....
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Gruss meskalin----

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